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Garten als Hundetoilette genutzt: Wer zahlt Reinigung und Bodensanierung?

München. Da kauft jemand im Winter eine Eigentumswohnung mit Garten. Als der Schnee taut, entdeckt er als Zugabe 19 alte Hundehaufen auf seiner Wiese. Entsorgung des Kots und Sanierung des Bodens kosten angeblich 3500 Euro. Wolfgang Ihl



Eine unter dem Schnee verdeckte tierische Zugabe zur Eigentumswohnung mit Garten beschäftigte das Amtsgericht München. Es ging um die Frage, ob ein Wohnungskäufer vom Verkäufer die Kosten für die Beseitigung von 19 alten Hundehaufen auf dem Gelände verlangen kann. Antwort des Gerichts: Schadensersatz wegen Beseitigung von Hundekot auf einem Grundstück kann in der Regel erst verlangt werden, wenn der Hundebesitzer zuvor ohne Erfolg zur Beseitigung des Kots aufgefordert worden ist (Az.: 171 C 15877/15).
Im konkreten Fall hat der spätere Kläger eine Eigentumswohnung mit Gartenanteil "wie genau besichtigt" gekauft. Der Verkäufer war Halter eines Hundes und erlaubte dem Tier zumindest gelegentlich die Verrichtung des großen Geschäfts im Garten. Die Wohnung nebst Garten wurde am 29. Dezember 2014 übergeben. Der Käufer behauptete daraufhin, der Garten sei bei der Übergabe mit mehreren Hundehaufen verunreinigt gewesen. Der Verkäufer habe die Haufen seines Hunds in dem Wissen seines baldigen Auszugs schlicht nicht mehr entfernt. Die Existenz dieser Haufen habe der Kläger nach eigener Aussage zunächst nicht bemerkt und nicht bemerken können, da der Garten schneebedeckt gewesen sei. Erst Mitte Januar und nach Einsetzen des Tauwetters seien ihm und seiner Lebensgefährtin die Haufen aufgefallen. Daraufhin habe er bis zum 10. März 2015 das Angebot einer Gartenbaufirma zur Beseitigung der Haufen eingeholt.

Das Geld für die Reinigung des Gartens - rund 3500 Euro - forderte der Käufer vom Verkäufer und Hundehalter. Begründung: Wegen der 19 Hundehaufen sei durch das Einsickern des Kots in das Erdreich eine Kontaminierung des Oberbodens eingetreten. Der Kot von "fleischlastigen Fressern" wie Hunden sei besonders gefährlich wegen der Existenz von äußerst widerstandsfähigen Krankheitserregern und Parasiten. Der Oberboden müsse abgetragen und alles neu bepflanzt werden. An den Stellen, an denen sich der Kot befunden habe, wachse auch kein Gras mehr, sondern nur noch das bezüglich der Humusqualität völlig anspruchsloses Moos. Der Hundehalter weigerte sich zu zahlen. Der Kot stamme nicht von seinem Hund, er habe die Haufen immer weggeräumt. Zudem sei die Erneuerung des Bodens nicht erforderlich, so der Hundehalter.

Urteil des Amtsgerichts: Die Existenz einer Vielzahl von Hundehaufen begründe zwar einen Sachmangel. Aber: "Der Kläger hätte den Beklagten zum Entfernen der Haufen auffordern und eine entsprechende Nachfrist setzen müssen." Außerdem geht das Gericht davon aus, dass der Kläger die Kontamination des Bodens maßgeblich selbst verursacht hat. Er habe zu spät den Kot beseitigt und über Wochen "quasi zugesehen, wie der Kot nach und nach in das Erdreich eingesickert ist." Damit habe er auch der Entstehung des Folgeschadens zugesehen, der auf dem ursprünglichen Sachmangel beruhte. "Für diese Entwicklung muss der Kläger selbst einstehen", so das rechtskräftige Urteil.