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Brutaler Raubüberfall
Vier Männer wollten eine Frau befreien - Und was daraus wurde

Saarbrücken. Eigentlich ging es um Liebe. Vier Männer wollten eine Frau befreien, die angeblich in einer Wohnung gegen ihren Willen festgehalten wurde. Aber die Sache eskalierte und wurde zum brutalen Raubüberfall. Wolfgang Ihl

Nach dem brutalen Raubüberfall auf einen 40 Jahre alten Mann in Dudweiler hat das Landgericht Saarbrücken vier Angeklagte zu Haftstrafen ohne Bewährung zwischen 22 Monaten und siebeneinhalb Jahren verurteilt.

Die Männer kennen sich von gemeinsamen Gefängnisaufenthalten oder aus dem Drogenmilieu und sind 22, 30, 34 sowie 39 Jahre alt. Sie gaben vor Gericht ihre Taten zu. Demnach hatten sie sich am Abend des 9. November 2016 von Rheinland-Pfalz aus auf den Weg ins Saarland gemacht, um die damalige Freundin des 39-Jährigen „zu befreien“. Sie hatten nämlich gehört, dass die Frau in der Wohnung gegen ihren Willen festgehalten werde und befürchtet, dass sie dort wieder von Heroin abhängig gemacht werden könnte. Aber die vermeintliche Befreiungsaktion ging gründlich daneben.

Es sei „eine hollywoodreife Aktion“ und „wie in einem schlechten Film“ gewesen, meinte einer der Angeklagten kopfschüttelnd vor Gericht. Das Ganze begann bereits vor der Haustür des 40-Jährigen. Als das Quartett den Mann zur Rede stellte, wollte der nichts sagen und bekam ein paar Schläge. Dann wurde er zur Wohnung eskortiert. Dort fanden die vier Männer aus der Pfalz aber niemanden. Dann entdeckte der 39-Jährige auf der Fensterbank den Schminkkoffer seiner damaligen Freundin und wurde sauer. Er schlug richtig fest zu und brach dem 40-Jährigen das Nasenbein. Dazu der Angeklagte: „Der andere stürzte aufs Bett. Plötzlich hörte ich ein „Aua“. Und dann kam meine Freundin aus dem Bettkasten raus.“ Damit sei für ihn und den 30 Jahre alten Mitangeklagten diese Sache erledigt gewesen. Gemeinsam mit der Frau seien sie runter ins Auto und hätten auf die anderen gewartet. Das war ihr Glück. Denn so sind diese beiden Männer nun lediglich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu 22 sowie 28 Monaten Haft verurteilt worden.

Während sie und die Frau im Auto damals saßen, eskalierte nämlich die Situation in der Wohnung. Offenbar unter Federführung des mehrfach einschlägig vorbestraften 34-Jährigen ging es dort nun um Drogen, Geld und den Schlüssel zu einem Tresor. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen misshandelten die beiden vor Ort verbliebenen Angeklagten den Wohnungsinhaber. Dabei wurde auch ein Messer eingesetzt. Das Opfer erlitt unter anderem eine leichte Stichwunde in der Schulter, eine Schnittwunde im Gesicht, Strangulationsmerkmale am Hals und diverse Prellungen. Auf diesem Weg erbeutete das Duo unter anderem Bargeld, eine Nobeluhr, elektronische Geräte und ein Auto, das der 34-jährige Angeklagte anschließend in den Niederlanden zu Geld machte.

Dieser Mann wurde nun vom Landgericht wegen schweren Raubes zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis sowie der Unterbringung in der forensischen Psychiatrie für gefährliche Straftäter verurteilt. Sein 22 Jahre alter Mittäter bei dem Raubüberfall wurde zu vier Jahren und acht Monaten Gefängnis nebst Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt. Der junge Mann sagte zu den Ereignissen jener Nacht vor Gericht: „Ich dachte, ich bin im falschen Film. Aber wenn ich Kokain genommen hatte, dann war ich ein anderer Mensch. Man verliert seine Hemmungen.“ Und weiter: „In jedem Süchtigen ist tief drin etwas, das wir suchen. Wir müssen das Problem suchen, finden und angeben.“ Das wolle er nun in seiner Therapie tun. Denn er sei vor kurzem Vater geworden und wolle doch ein gutes Vorbild für sein Kind sein – ohne Drogen und ohne Straftaten.