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Gold-Schmuck im Urlaub gekauft: Das böse Erwachen kam zu Hause

München. Das Mittelmeer, mit dem Katamaran nach Rhodos, die Strände der Türkei. Es gibt Schlimmeres als Alternative zum Winter in Deutschland. So dachte wohl auch ein Ehepaar, das im Urlaub Goldschmuck für 4300 Euro kaufte. Wolfgang Ihl

Schlechte Karten für ein Ehepaar, das bei einer Studienreise Goldschmuck für rund 4300 Euro gekauft hat. Zu Hause meinten die beiden, der Schmuck sei höchstens 500 Euro wert. Also verklagten die Eheleute den Reiseveranstalter. Aber das Amtsgericht München winkte ab und stellte klar: Ein Reiseveranstalter, der im Rahmen einer gebuchten Reise den Besuch einer Schmuckmanufaktur organisiert und durchführt, haftet nicht für ein Fehlverhalten der Schmuckmanufaktur (Az.: 271 C 8375/16).

Das Paar hatte im Oktober 2015 bei einer Reiseveranstalterin in München eine Studienreise "Türkei und Rhodos - die faszinierendsten UNESCO-Schätze und Weltwunder der Antike" gebucht. Der Reisezeitraum erstreckte sich vom 28. Oktober bis zum 11. November 2015. Im Reisepreis von 516 Euro enthalten waren Flüge, Übernachtungen, Panoramaüberfahrt im Katamaran nach Rhodos, Busrundreise in der Türkei und auf Rhodos inklusive aller Leistungen gemäß Reiseangebot. Zum Reiseverlauf wird in dem Angebot zu Tag 7 ausgeführt: "Die große Handwerkstradition der Türkei führt uns anschließend in eine Schmuck- und in eine Ledermanufaktur. Neben Informationen über die manuelle Herstellung bekommen sie auch Gelegenheit, ein persönliches Urlaubs-Souvenir zu erwerben."

Bei der Rundreise wurde eine Schmuckmanufaktur besucht. Der Ehemann und spätere Kläger kaufte dort einen goldenen Ring mit Diamantsplittern und Rubinsplittern sowie eine goldene Kette mit einem Rubin für seine Ehefrau für jeweils 2.150 Euro.

Zurück in Deutschland verlangte der Kläger von der Reiseveranstalterin Schadensersatz wegen des Schmuckkaufs. Begründung: Die Schmuckmanufaktur sei Erfüllungsgehilfin der Reiseveranstalterin. Er sei vor Ort zum Schmuckkauf gedrängt worden. Wegen Änderungen am Schmuck sei dieser vor Ort noch nicht unmittelbar mitgegeben worden. Man habe auf Lieferung im Hotel drängen müssen. Hierbei habe der Reiseleiter der Beklagten den Kläger unterstützt. Bei der Übergabe sei auf Grund der Hektik keine Gelegenheit gewesen, die Schmuckstücke in Augenschein zu nehmen. Erst zu Hause habe er bemerkt, dass der Ring nicht wie vereinbart geändert worden sei und die gelieferte Kette in keiner Form der ausgesuchten Kette entspreche. Nach Ansicht des Klägers hat der Schmuck höchstens einen Wert von 300,- bis 500,- Euro. Er möchte den Schmuck zurückgeben und beziffert seinen Schaden auf 4 300 Euro. Die Reiseveranstalterin weigert sich zu zahlen. Sie sei nicht am Schmuckgeschäft beteiligt gewesen und erhalte keine Provision. Es gebe auch keine Gewinnabsprachen.

Der Kläger zog daraufhin vor das Amtsgericht München. Die zuständige Richterin wies die Klage jedoch ab. Begründung:
Es liege kein Reisemangel vor. Sämtliche Reiseleistungen seien erbracht worden. Die Schmuckmanufaktur sei nicht Erfüllungsgehilfin der Reiseveranstalterin. Die Manufaktur mache vielmehr ihre eigenen Geschäfte. Auch freundliche Unterstützung des Reiseleiters in sprachlicher oder organisatorischer Hinsicht führten deshalb nicht zu einer Haftung des Reiseveranstalters.