| 19:29 Uhr

„Peter Grimes, das bin ich“

Ein Berserker auf der Bühne: Brenden Gunnell als Peter Grimes in der Inszenierung des Staatstheaters. Foto: Thomas Jauk
Ein Berserker auf der Bühne: Brenden Gunnell als Peter Grimes in der Inszenierung des Staatstheaters. Foto: Thomas Jauk FOTO: Thomas Jauk
Saarbrücken. Er ist eine Sensation auf der Bühne: Brenden Gunnell singt als Gast in der Staatstheater-Inszenierung der Britten-Oper Peter Grimes die Titelpartie. Und erntet regelmäßig Ovationen. Am heutigen Freitag und am 25. Juni sind die letzten Vorstellungen. Wir haben den Ausnahmesänger getroffen. Nadja Spieldenner

"Ich hab insgesamt sieben oder acht Jahre im Ensemble gesungen, und irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man sagt, nee, doch lieber freischaffend und mein eigener Chef sein." Seit 2013 lebt der Tenor Brenden Gunnell inzwischen den Traum, den die meisten Sänger haben: freischaffend arbeiten und sich so den Lebensunterhalt verdienen.

Gunnell lächelt, als er erzählt, wie viel er momentan "rumkommt". "Ich mache sehr viel in Italien, in England, in China gebe ich mein Debüt, in den USA 2018, in Deutschland bin ich unterwegs und mein nächstes Projekt ist in Holland." 2007 bekam der gebürtige US-Amerikaner in Innsbruck beim Tiroler Landestheater sein erstes Engagement, wo er auch die Opern- und Liedsängerin, Regisseurin und Intendantin Brigitte Fassbaender kennenlernte. Es folgte prompt ein Fünfjahresvertrag, und innerhalb von vier Spielzeiten sang Gunnell über 50 Partien. "Da war vom Größten bis zum Kleinsten alles dabei. Da habe ich sozusagen mein Handwerk gelernt." Danach zog es Gunnell für eineinhalb Jahre nach Norwegen, ehe er in Regensburg sein erstes Engagement auf deutschem Boden antrat. "Nach zwei Monaten oder so hab ich dann aber beschlossen, freischaffend zu werden." Inzwischen genießt er seine Freiheit als Freischaffender, auch was die Zusage an Partien betrifft. "Man wird wählerisch, welche Partien man nimmt. Ich kann nur Stücke annehmen, bei denen ich weiß, ich will was damit sagen, man darf nicht nur schöne Töne produzieren."

Gefühle und Situationen will der Tenor er- und vermitteln, er möchte sein Publikum mitreißen und packen: "Ihr hört mir jetzt zu!" Selten bis nie war Gunnell bisher als Liebhaber oder "der Witzige" besetzt. "Das liegt mir nicht." Das heiße nicht, dass er auf der Bühne nur leiden möchte oder nur deprimierende Stücke spielt. "Aber ich möchte schon etwas machen, das mir was sagt, als Mensch."

In der Besetzung als Titelfigur in der Oper Peter Grimes derzeit am Saarländischen Staatstheater findet Gunnell eine solche Rolle. "Grimes war das Stück, das mich gebissen hat, Opernsänger zu werden." Zehn Jahre hat er daran gearbeitet, immer wieder etwas darüber gelesen, angeschaut, Aufnahmen verglichen, Vergleiche mit anderen Partien und Rollen gezogen. "Grimes ist halt die Rolle, mit der ich mich verbunden fühle. Das bin ich im Knochenmark, ich stehe da, und das Stück wird durch mich gesungen."

Wie die Figur Peter Grimes musste auch Gunnell schon oft versuchen, sich in eine neue Gesellschaft zu integrieren, um sich aus dem Außenseiterstatus herauszuarbeiten. "Ich wohnte jetzt in fünf verschiedenen Ländern, da kenne ich die Situation aus dem Stück sehr gut." Auch im Schauspiel würde Gunnell sich gerne einmal versuchen. "Aber ich würde lieber inszenieren, anstatt irgendwie als Darsteller auf der Bühne zu sein", sagt er. "Lieber eine Geschichte erzählen, die schon da ist, und dann alles geben." Alles geben - ein Motto, das Brenden Gunnell beinahe zu seiner Lebensphilosophie gemacht hat. "Ich bin immer drei bis vier Stücke gleichzeitig am Vorbereiten, das heißt: eins vorbereiten, eins ausführen, ein anderes kurz lernen." Er sei eher für das Wort, eher für das Schauspiel als für Musiktheater: "Ich sehe mich selbst als singenden Schauspieler, und es ist besser, etwas nicht so perfekt zu singen, wenn ich dafür den Moment richtig rüberbringe."

Zum Thema:

Zur Person Brenden Gunnell wurde 1983 geboren und wuchs in Michigan, USA, auf. 2006 erhielt er sein Diplom am Curtis Institute of Music in Philadelphia und Gesangsunterricht bei Joan Patenaude-Yarnell. In Europa setzte er seine Studien bei Brigitte Fassbaender fort. Seit 2012 wird er von dem Heldentor Robert Gambill betreut. red

Im privaten Leben gar nicht so wütend: Brenden Gunnell ohne Maske.
Im privaten Leben gar nicht so wütend: Brenden Gunnell ohne Maske. FOTO: Gregory Hejbowicz
Das könnte Sie auch interessieren