Saarbrücken/Merzig | 08. Februar 2017 | Autor: Wolfgang Ihl

Räuber in Merzig findet Fluchtweg nicht und zerschlägt Glastür vor den Augen der Polizei

Nach dem Raubüberfall auf ein McDonalds-Restaurant hat das Landgericht einen 28-Jährigen zu fast vier Jahren Haft verurteilt.


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Vor den Augen der Polizei hat ein Räuber in Merzig die Eingangstür eines McDonalds-Restaurants zerschlagen, um nach dem Überfall auf eine Restaurantangestellte aus dem Lokal zu fliehen. Als der 28-Jährige mit dem Kopf voran durch das Loch in der Glasscheibe krabbelte, bekam er im wahrsten Sinn des Wortes von einem Streifenpolizisten eins auf die Mütze. Anschließend wurden ihm mit Handschellen die Hände auf den Rücken gefesselt. Auf dem Bauch durfte er vor dem Restaurant auf das Eintreffen der Verstärkung für die Beamten warten, die ihn hinter Gitter brachte. Das Landgericht hat ihn nun wegen schwerer räuberischer Erpressung zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem ordneten die Richter die Unterbringung des drogenabhängigen Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Dort soll er eine zweijährige Therapie antreten.

Bereits unmittelbar nach seiner Festnahme am frühen Morgen des 8. August 2016 hatte der Beschuldigte ein Geständnis abgelegt. Das wiederholte er vor Gericht. Außerdem entschuldigte er sich bei der Restaurantangestellten und erklärte sich bereit, der 26-Jährigen Schadensersatz und Schmerzensgeld zu zahlen. Damit zur Lebensgeschichte des Angeklagten: Schon in jungen Jahren hatte er Probleme mit der Schule und mit Drogen. Als Jugendlicher habe er im Affekt einen Mann umgebracht, weil der ihn sexuell bedrängt habe. Deshalb habe er fast vier Jahre im Jugendgefängnis gesessen. Danach habe er zwei Drogentherapien gemacht. Diese seien zeitweise erfolgreich gewesen. Aber er sei immer wieder rückfällig geworden, habe Cannabis, Amphetamin und gelegentlich Kokain konsumiert. Seine Sucht habe er durch den Handel mit Drogen auf Kommissionsbasis finanziert. Zuletzt habe er Schulden bei seinen Lieferanten gehabt, die auf Zahlung gedrängt hätten.

Mit dem Zug sei er deshalb am Abend vor dem Überfall von seinem Wohnort im Landkreis Saarlouis nach Merzig gefahren. Er habe vorgehabt, irgendwo einzubrechen und eine Mütze als Maske und Werkzeug dabei gehabt. Aber er habe kein geeignetes Objekt für einen Einbruch gefunden, obwohl er stundenlang rumgelaufen sei. Schließlich sei er per Zufall vor dem noch geschlossenen McDonalds gelandet. Dort habe er seine Maske angezogen und gewartet. Dann kam eine Angestellte, um das Restaurant zu öffnen. Auf dem Parkplatz habe er die Frau abgefangen, mit dem Messer bedroht und gezwungen, ihn zum Tresor des Restaurants zu bringen. Dort musste die junge Frau, die bis heute unter den psychischen Folgen der Tat leidet, ihm das Geld in einen Rucksack und eine Tasche stecken. Dann sperrte er die Frau in ein Büro ein und wollte fliehen. Aber das klappte nicht. Im Dunkeln und dem unbekannten Gebäude fand der Angeklagte weder die Lichtschalter noch einen offenen Ausgang. Also ging er zurück. Aber die Frau hatte zwischenzeitlich von einem Angestellten Verstärkung bekommen. Der Mann hatte die Tür des Büros geöffnet und sich gemeinsam mit der Frau in einem relativ sicheren Raum eingesperrt. Unterdessen randalierte der Angeklagte vor der Tür des Büros und brüllte, dass er raus wolle. Und dass sie ihm sagen müssten, wie er raus komme. Dann sah er offenbar die ersten Blaulichter der zwischenzeitlich bereits alarmierten Polizei. Er ließ die Beute zurück, ging zum Haupteingang des Restaurants und wollte einfach nur weg. Er schlug deren Scheibe mit dem Ellbogen ein und krabbelte durch. Aber draußen wartete bereits die Polizei auf ihn.