Dillingen | 14. November 2016 | Autor: Carolin Merkel

Der Astronaut im Weltall nebenan

Florin Müller aus Dillingen lebt seit seiner frühen Kindheit mit einer autistischen Erkrankung. Jetzt erzählt er sein Leben. Er hat eine Autobiografie geschrieben, Titel: „Die Reise zum leuchtenden Stern oder Ein Astronaut im Weltall“.


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Florin Müller nimmt die Untertasse und lässt sie rappelnd auf den Tisch fallen, dann schnippt er mit dem Finger gegen ein Glas, unruhig geht sein Körper vor und zurück. Er scheint gefangen in seiner Welt, interessiert sich auf den ersten Blick nicht für das Gespräch über sein Buch, das druckfrisch auf dem Tisch in der Tagesförderstätte in der Völklinger Waldstraße liegt. „Florin mag Geräusche“, erklärt Mama Birgit, „auch, wenn es manchmal ganz schön anstrengend ist“. Auf die Frage, wer denn nun am stolzesten auf das Buch sei, zögern Mama und Therapeutin Hannelore Kloth nur kurz, da hat sich Florin bereits auf die Brust geschlagen und lässt keinen Zweifel daran, dass er den größten Stolz in sich trägt. Er ist hellwach und verfolgt die Gespräche um ihn in jedem Moment.

„Die Reise zum leuchtenden Stern oder Ein Astronaut im Weltall“, so lautet der Titel seiner Autobiografie, die nach zweieinhalb Jahren des Schreibens und Sammelns gerade in Erstauflage erschienen ist. Angekündigt hatte Florin Müller, der im Dezember 22 Jahre alt wird, das Buch bereits beim Besuch der Saarbrücker Zeitung vor gut einem Jahr. Damals konnte Redakteurin Nicole Bastong mittels Gestützter Kommunikation ein Interview mit dem jungen Mann, der an Kanner-Autismus (frühkindlicher Autismus) leidet, führen.

Damals wie heute wird sofort klar, das, was sich in Florins Kopf abspielt, ist nur schwer zu begreifen. „Ich habe einmal den Fehler gemacht und zu einem Autisten gesagt, ich könne mir vorstellen, wie er sich fühlt, er wäre mir fast an den Hals gegangen“, erzählt Hannelore Kloth. Sie kennt Florin seit dem Jahr 2011, war ein echter Glücksfall für den jungen Mann. Denn sie hat das Potenzial in Florin in der Förderschule erkannt, arbeitete mit ihm auf den Hauptschulabschluss hin, holte ihn durch das Schreiben am Computer aus seiner scheinbaren Isolation.

 

Sofort erkannt

„Eines Tages sagte Florin zu mir, er wolle ein Buch schreiben“, erinnert sich Kloth. „Ich habe gesagt, gut, du kannst ein Buch über dich schreiben, aber du musst schon eine Vorstellung haben, von dem, was du schreiben willst“, sagte Kloth damals. Und Florin brachte seine Vorstellungen auf Papier, schon die ersten Sätze, erklärt die Therapeutin, zeigten das Potenzial, das in dem Jungautor steckt. Selbstständig hat er einen roten Faden durch seine Geschichte gelegt, beginnt in seiner frühen Kindheit, als er in Rumänien im Kinderheim war, wo ihn seine Eltern schließlich „kauften“. Er erzählt aus seiner Kindheit, erinnert an seine Oma, die als leuchtender Stern ihn genauso liebt, wie er ist, rechnet mit denen ab, die ihn für dumm gehalten haben. Dazwischen gibt es Gedichte aus der Feder von Florin. Sie zeigen eindrucksvoll, wie differenziert er mit der Sprache umgeht, jedes Wort akribisch auswählt.

 

„Es kann niemand sagen, woher das kommt. Er hat eine unglaubliche Gabe“, ist Kloth begeistert. Ganz nebenbei hat sie auch Birgit Müller als Mitautorin gewinnen können. Auch sie schildert Episoden aus dem Leben. Am Ende gibt es einen Ausblick auf Florins Zukunft, natürlich von ihm geschrieben.

Auffallend positiv schaut er auf sein Leben, die scheinbare Hoffnungslosigkeit ist längst einem lebensbejahenden Optimismus gewichen. Den Geschichten ist eine ausführliche Einleitung von Florin und Birgit Müller sowie Hannelore Kloth vorangestellt.

 

„Einmaliger Einblick“

„Die sollte man schon lesen, um das Buch zu verstehen“, sagt sie. Doch auf keinen Fall sei es ein Fachbuch über Autismus, sondern biete einen einmaligen Einblick in eine Welt eines jungen Autisten, der mit seinen Gedichten und Geschichten mit Sicherheit noch viel von sich reden machen wird.

 

 

Zum Thema:

 

Auf einen Blick Das Buch „Die Reise zum leuchtenden Stern oder Ein Astronaut im Weltall“ - Autobiografie/Bericht von Florin Müller, Birgit Müller (Autoren) ist in der 1. Originalausgabe erschienen im Ganymed Edition Verlag, IBN: 978-3-946223-43-6 und kostet 14 Euro. Die beiden ersten Autorenlesungen sind am Mittwoch, 30. November, um 18.30 Uhr in der Lebenshilfe Tagesförderstätte, Waldstraße 20, in Völklingen sowie am Freitag, 9. Dezember, um 18 Uhr im Haus der Parität in der Förster/Richard-Wagner-Straße in Saarbrücken. cim Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter: birgit-mueller-64@web.de.











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