Saarbrücken | 20. April 2017 | Autor: Nora Ernst

Deutlich weniger Schüler brechen Gymnasium ab

Die Zahl der Schüler im Saarland, die das Gymnasium abbrechen, ist stark gesunken. Im vergangenen Schuljahr wechselten nach Angaben des Bildungsministeriums 370 Schüler von einem Gymnasium an eine Gemeinschaftsschule.


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Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) führt das auf die „vielfältigen Qualitätsverbesserungsmaßnahmen“ zurück, die sein Haus in der vergangenen Legislaturperiode eingeführt hat. Jeder Schüler würde verstärkt individuell gefördert, zum Beispiel durch das Projekt „Fördern statt Sitzenbleiben“, bei dem das Sitzenbleiben in den Klassenstufen 5 und 6 ausgesetzt wurde. Es startete 2011 und ist inzwischen in andere Förderkonzepte eingeflossen.

Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbands, bezweifelt, dass solche Projekte so schnell einen Effekt zeigen: „Veränderungen im Bildungssystem brauchen immer einen langen Vorlauf, bis sie wirken.“ Ein Grund für einen Rückgang könne sein, dass mit der Abschaffung der Realschulen eine „attraktive Alternative“ weggefallen sei.

Zudem seien die Unterrichtsmethoden in den vergangenen Jahren modernisiert und die Lehrpläne „entrümpelt“ worden: Die Anforderungen seien gesenkt worden. Hahn sieht dahinter den „politischen Wunsch“, die Zahl der Sitzenbleiber zu reduzieren und mehr Schüler zum Abitur zu führen. Er warnt jedoch: „Eine künstliche Erhöhung der Abiturientenquote ist nicht für jeden Schüler gut.“