Völklingen | 21. April 2017 | Autor: Doris Döpke

Türkisch-Unterricht soll unter Kontrolle

Türkisch-Unterricht an einer Grundschule in Völklingen, verantwortet vom türkischen Konsulat – das Thema hat jüngst für Aufregung im Stadtrat gesorgt. Nach dem Referendum, das den Weg für eine autokratische Regierung öffnet, gewinnt es neue Brisanz.


Anzeige

Die Völklinger Grundschule Haydnstraße ist in Raumnöten – darüber hat der Stadtrat kürzlich diskutiert. Und an einem Punkt hatten die Ratsmitglieder Fragen: Die Schule hatte in ihrer Bedarfs-Liste unter anderem einen Raum für Türkisch-Unterricht aufgeführt. Wer verantwortet diese Sprach-Stunden? Das türkische Konsulat, lautete die Auskunft der Verwaltung. Kann ja wohl nicht sein an einer deutschen Schule, hieß es unisono aus den Fraktionen im Stadtrat.

Doch, kann sein, ist so, sagt Marija Herceg, Sprecherin des saarländischen Bildungsministeriums, auf SZ-Nachfrage, „das läuft schon seit Jahrzehnten“. Und nicht nur mit Türkisch, sondern, beispielsweise, auch Italienisch.

Als in den 1960er Jahren „Gastarbeiter“ nicht nur allein, sondern zusammen mit ihren Familien ins Land kamen, gab es Regelungsbedarf für den Schulunterricht ihrer Kinder. Am 13. Juni 1966 gab das damalige „Ministerium für Kultus, Unterricht und Volksbildung“ den ersten Erlass dazu heraus. Der sieht „wöchentlich 4-5 Stunden Unterricht durch eine ausländische Lehrkraft“ in der Muttersprache der Kinder, „in Erdkunde und Geschichte ihrer Heimat sowie in Religion“ vor. Ziel war dabei, dass die Kinder „die Bindung an ihre heimatliche Sprache und Kultur nicht verlieren“. Man ging davon aus, dass die „Gastarbeiter“ eines baldigen Tages zurückkehren würden, und wollte die Kinder dafür vorbereiten. Dazu passte die Auswahl der Lehrkräfte: Sie mussten „die volle Lehrbefähigung für das Lehramt an Volksschulen nach dem Recht ihres Heimatlandes erworben haben“, heißt es im Erlass. Und: „Ihre Beschäftigung erfolgt nach Absprache mit dem zuständigen Konsulat.“

Der Folge-Erlass von 1977 weist den Konsulaten sogar die Veranstalter-Rolle für muttersprachlichen Unterricht zu. Das Land verspricht nur mehr Zuschüsse „im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten“. Genau so steht es noch in der aktuell gültigen „Verordnung zum Unterricht für ausländische Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sowie Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund“, die am 24. November 2009 erlassen wurde.

Am türkischen Ergänzungsunterricht nehmen derzeit saarlandweit 602 Schüler teil, berichtet Herceg. Dabei stützt sie sich auf Angaben des Generalkonsulats in Mainz. In Völklingen sind es 54 Schüler, 24 in der Grundschule Bergstraße, 30 in der Grundschule Haydnstraße. Dieser Unterricht, betont Herceg, werde außerhalb der regulären Stundentafel gehalten, zusätzlich. Und die teilnehmenden Kinder seien nicht zwangsläufig Schüler der Schule, in der sie nachmittags Türkisch lernen; sie könnten auch von anderen Schulen kommen.

Wobei der Ergänzungsunterricht gar nicht unbedingt in Schulen stattfinden müsse. Aber könne, sofern der Schulträger zustimme; ob Schulräume für den Ergänzungsunterricht zur Verfügung gestellt würden, sei „Entscheidung der Stadt Völklingen“, sagt Herceg. Extra-Raumbedarf dafür sieht das Ministerium aber nicht. Und ist sich darin einig mit Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU): Pflichtunterricht habe Vorrang, sagt er. Dann komme die Nachmittagsbetreuung. Und erst danach könne man über Räume für den Ergänzungsunterricht reden.

Inhaltlich, das ist Herceg wichtig, plant das Bildungsministerium Veränderungen. Ziel: „eine stärkere curriculare Durchdringung“ – Methoden und Inhalte der Sprachvermittlung könnten „nicht in das freie Ermessen des jeweiligen Herkunftsstaates gestellt werden“; es gelte vielmehr, Lehrpläne zu erarbeiten und die Lehrerauswahl zu überdenken. Das soll nun auch in den anstehenden Koalitionsverhandlungen zum Thema werden.

Auch Italienisch wird in Völklingen im Auftrag des zuständigen Konsulats gelehrt. Siehe











Anzeige