Saarbrücken | 08. März 2017 | Autor: Stephanie Schwarz

Mehr als Putzen, Kochen, Waschen

Mangelnder Respekt und niedrige Löhne gehören für viele Hauswirtschafterinnen zum Berufsalltag. In einer Podiumsrunde der Arbeitskammer diskutierten Betroffene und Verbände über das Imageproblem des Berufes.


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Hauswirtschaft? Kann man das lernen? Das sind noch die harmlosen Reaktionen, wenn gelernte Hauswirtschafterinnen ihren Beruf nennen, berichtet Claudia Forster-Bard, Vorsitzende des Bundesverbandes hauswirtschaftlicher Berufe. Sie war eine der Teilnehmerinnen der Arbeitskammer-Podiumsdiskussion „Prekäre Beschäftigung am Beispiel der Hauswirtschaft“ am Dienstag in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt.

Die Hauswirtschaft habe ein klares Imageproblem. Und nicht nur das. Auch die Bezahlung sei oft schlecht. Trotz Arbeit nicht vom eigenen Lohn leben zu können – an die Zeit kann sich auch Piera Salina aus Riegelsberg erinnern. Jetzt arbeitet sie als Hauswirtschaftsleiterin bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Saarland. Jetzt geht es ihr gut. Aber sie kennt auch andere Zeiten. Als sie nach der Ausbildung zur Hauswirtschafterin anfing zu arbeiten, konnte sie von ihrem eigenen Gehalt kaum leben.

„Das Geld hat einfach nicht ausgereicht“, sagt sie. Die Riegelsbergerin hielt sich mit einem Nebenjob über Wasser. Von vielen Kolleginnen weiß sie, dass deren Verdienst nur ausreicht, weil sie einen Partner haben, der ebenfalls arbeitet. Und als Ausbilderin hat sie die Erfahrung gemacht, dass viele Bewerberinnen im Gespräch den Job ausschlagen, wenn sie hören, wie wenig man dabei verdient. Denn wer wenig verdient, fühle sich nicht wertgeschätzt. Die Hauswirtschafterinnen klagen nicht nur über zu geringen Lohn, sondern auch über mangelnden Respekt in der täglichen Arbeit. Esther Wack aus Zweibrücken, die 30 Jahre als Hauswirtschafterin im Regionalverband gearbeitet hat, kennt das Gefühl, respektlos im Beruf behandelt zu werden. Zehn Jahre lang hatte sie vier Stellen gleichzeitig, um als alleinerziehende Mutter über die Runden zu kommen. „Viele Kunden wünschten sich eine eierlegende Wollmilchsau, die in kurzer Zeit den gesamten Unrat, den die Familie hinterlassen hat, sauber macht.“

Die Manieren und die Wertschätzung ihrer Arbeitgeber sei in den 30 Jahren immer weiter gesunken. In privaten Haushalten hat sie schon so einiges mitgemacht. „Während ich einmal krank war, wurde mir plötzlich gekündigt. Eine Frau hat mich als Sozialschmarotzerin bezeichnet“, zählt sie auf. Es seien weniger die Männer sondern eher die Frauen, die sie respektlos behandeln.

„Die Diskriminierung von Hauswirtschafterinnen muss aufhören“, bemerkt auch Elisabeth Leicht-Eckardt, Professorin für Haushalts- und Wohnökologie an der Universität Osnabrück. Viele sehen in dem Beruf nur „Waschen, Putzen, Kochen“. Neben diesen bekannten Aufgaben kümmern sich Hauswirtschafterinnen außerdem noch um den Einkauf, die Finanzplanung des Haushalts und die Betreuung von Angehörigen. Das negative Image des Jobs sei ein großes Problem, sagt auch Claudia Forster-Bard.

Dennoch sei der Beruf Hauswirtschaft in unserer alternden Gesellschaft ein „Job mit Zukunft, da es immer mehr Menschen gibt, die versorgt werden müssen“. Aber es gebe nicht genug ausgebildete Fachkräfte, um die Lücken zu füllen.

2001 haben noch 105 Auszubildende im Saarland eine Lehre als Hauswirtschafterin begonnen. 2016 waren es weniger als die Hälfte: 45 Auszubildende, sagt Gertrud Schmidt, Abteilungsleiterin Frauen und Gleichstellungspolitik der Arbeitskammer des Saarlandes. Aber die Zahl der Beschäftigten würde jährlich zunehmen. Im Juni 2015 waren im Saarland 4421 Personen als Hauswirtschafterinnen beschäftigt. Im vergangenen Jahr 4732.

„Der Bedarf steigt, aber die Ausbildungszahlen sinken“, sagt Schmidt. Ein großes Problem, weil so künftig qualifizierte Fachkräfte fehlen. Aber warum sollte ein Mensch eine Ausbildung in einem Berufsfeld machen, in dem man nicht genug verdient und noch schlecht behandelt wird? Mark Baumeister, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), ist der Meinung, dass man nur mit festen Tariflöhnen, die schwierige Situation der Hauswirtschafterinnen im Saarland ändern könnte.

In anderen Bundesländern gebe es solche Tarifverträge. Gemäß dieser Verträge erhielten die Arbeitnehmerinnen einen Einstiegslohn von 10,98 Euro statt eines Mindestlohns von 8,84 Euro. Baumeister: „Nur im Saarland finden wir keinen Arbeitgeber, der sich daran halten will.“

Zum Thema:

Dass es auch anders geht, beweisen die 17 Agenturen für haushaltsnahe Arbeit (Aha) im Saarland. Eine davon gibt es im Regionalverband. Gefördert werden die Agenturen vom saarländischen Wirtschaftsministerium. Die Ahas garantieren den Mitarbeitern einen fairen Lohn. Zu ihren Kunden gehören über 4500 private Haushalte im Saarland. www.saarland.de/agentur_ haushaltsnahe_arbeit.htm











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